Via Appia Antica

Seit meinem ersten Aufenthalt in Rom hat mich die Via Appia Antica fasziniert. Jene Straße der Straßen des römischen Reichs. Die Straße auf der Legionen gen Osten marschiert sind, der Weg der das Christentum nach Europa brachte, die Straße an der die Überlebenden von Spartacus Sklavenarmee gekreuzigt wurden. Die Straße die die italienische Identität heraufbeschwören könnte und gleichzeitig das Desinteresse der Italiener an ihrer eigenen Kultur auf einzigartige Weise dokumentiert. Einzelne Abschnitte, die eine Idylle für Touristen zeigen, abschnittsweise mit Schnellstraßen überbaut oder gleich wegen irgendwelcher Profanbauten und Villen überbaut.

Die Via Appia Antica führt von Rom nach Brindisi, ca. 600 Kilometer quer durch das südliche Italien. Den Weg säumen zahlreiche historische Bauten, mal mehr, mal weniger erkennbar. Mal relativ gut erhalten, dann wieder gnadenlos als Quelle für Baustoffe missbraucht. Dabei – und das ist das Erschreckende – sind diese Zerstörungen vor allem der jüngeren Geschichte, vor allem den 1960er Jahren geschuldet. Manche Stätte, die man heute als Tourist entdecken kann, wurde dabei in nahezu letzter Minute vom Denkmalschutz gerettet. Wie viele mehr bereits abgerissen, zugeschüttet oder asphaltiert wurden, lässt sich kaum erahnen.

Und trotzdem geht von der Straße eine einzigartige Magie aus. Der Jakobsweg Italiens wird sie manchmal genannt, insbesondere, wenn es um die touristische

Vermarktung geht. Aber diese Straße ist so viel mehr. Wer will kann auf Ihr den Weg des Christentums nach Europa entdecken, denn dieser Straße folgten bereits die Apostel Petrus und Paulus. Es ist aber auch der Weg vieler Sklaven damals in das Römische Reich, heutzutage als billige Arbeitskräfte ins moderne Italien. In Gegenrichtung ist es der Weg vieler Legionen auf dem Weg zu neuen Eroberungen gewesen.

Die Straße selbst wurde 312 v. Chr. von Appius Claudius Caecus angelegt. Von Rom aus führte sie ursprünglich nur etwa 195 Kilometer bis Capua. Die Verlängerung nach Brindisi (damals Brundisium) erfolgte um 190 v. Chr. Brundisium war damals zum bedeutendsten Umschlagplatz für Waren und Skalven aus dem Orient aufgestiegen. Damit wurde die Straße zu einer der wichtigsten Handelswege des Römischen Reichs, schon bald erhielt sie den Beinamen „Regina Viarum“ – die Königin der Straßen. Die Via Appia Antica ist zumindest in Teilen also über 2300 Jahre alt und dürfte damit zu den ältesten Straßen der Welt zählen.

Die Via Appia begehen

Einmal diese Straße zu begehen, das klingt nach einem Erlebnis der besonderen Art. Doch genau hier fangen schon die Probleme an. Es gibt allenfalls einzelne Abschnitte, die die Vorstellungen des gemeinen Touristen entsprechen. Das geht los bei der Beschilderung, eine durchgängige Beschilderung ist einfach nicht gegeben, wobei es hier nicht zuletzt aufgrund des Buches von Paolo Ruminez schon zu Verbesserungen gekommen ist.

Immerhin gibt es inzwischen eine Website, die die Via Appia mehr oder weniger umfassend beschreibt. Dort hat man die Strecke in 29 Abschnitte eingeteilt, die allerdings sehr unterschiedlich in der Länge sind und offenbar nicht einfach so als Tagesetappen angesehen werden können. Von diesen gelten nach touristischen Maßstäben derzeit 8 Abschnitte als begehbar, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit. Wobei nicht ganz klar ist, worauf sich der Begriff Sicherheit bezieht. Zum Einen ist dies vor allem die Sicherheit vor dem restlichen Verkehr gemeint, da Teile der Via Appia Antica von verkehrsreichen Straßen, teils Autobahnen überbaut sind und Fußwege oft Mangelware sind. Wer Ruminez Buch liest, ahnt aber bereits, dass es noch weitere Risiken gibt, u.a. viele streunende Hunde aber auch bis an die Zähne mit Videokameras bewaffnete Anwesen aus denen man als Wanderer misstrauisch beäugt wird und auch die Mafia wird immer wieder ins Spiel gebracht, wobei die Gefahr durch diese sich nicht zwingend aus dem Buch ergibt.

Die offiziell begehbaren Abschnitte summieren sich auf 187,1 km, man kann also fast 1/3 der Straße relativ problemlos laufen. Allerdings sind diese Abschnitte natürlich nicht zusammenhängend. Startend von Rom, kann man den ersten Abschnitt mit 22,5 km laufen, dann wird erst wieder der 7. Abschnitt (Formia – Minturno) aufgeführt, dazwischen liegen etwa 120 km Strecke. Dem 7. Abschnitt (14 km) folgen weitere 17,5 km auf dem 8. Abschnitt, bevor es wieder einen Sprung zum 13. Abschnitt gibt. Dieser führt von Benevento nach Passo di Mirabella und ist 24,5 Kilometer lang. Schon wieder ein Sprung zum Abschnitt 19 (Venosa – Palazzo San Gervasio, 17 km) danach ein Sprung zum Abschnitt 21 (Masseria Tripputi – Gravina di Puglia, 30 km). Und weiter geht es mit Abschnitt 24 (Masseria Miseria – Palagiano, 29 km). Lediglich die letzten beiden Etappen 28 und 29 sind wieder zusammenhängend begehbar. Diese führen von Oria nach Messagne (16,6 km) und weiter nach Brindisi (16km).

Nach einer erfüllenden Tour klingt das insgesamt noch nicht, aber das heißt ja nicht, das die restlichen Abschnitte nicht zu meistern sind, dafür gibt es genügend Beispiele.

 

 

 

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